Versprechen gebrochen
Der Ortsverband Olpe der Deutschen Steuergewerkschaft (DStG) bestritt am vergangenen Dienstag seine diesjährige Jahreshauptversammlung.
Der Vorstand hatte als Gastredner Meinolf Guntermann (u.a. Vorsitzender des DStG-Bezirksverbandes, Mitglied des Vorstandes der DStG-NRW und des Hauptpersonalrates beim Finanzministerium) geladen.
Aufgrund seiner vielfältigen Tätigkeiten konnte dieser sehr interessante Informationen zu aktuellen Themen weiter geben.

Reklamiert wurde insbesondere die Ungleichbehandlung zwischen Tarifbeschäftigten und Beamten (incl. der Pensionäre).
Bis zu den vergangenen Landtagswahlen wurde bei den Verhandlungen über die Höhe der Alimentation der Beamten gebetsmühlenartig die Gleichbehandlung der im öffentlichen Dienst Beschäftigten als Begründung dafür herangezogen, die Einkommensentwicklung der Beamten weit unter das Niveau aller anderen Lohnempfänger fallen zu lassen (Urlaubsgeld weg, Weihnachtsgeld minus 40 %, 41 Stundenwoche etc.).
Nachdem sich nun für die Tarifbeschäftigten ein vernünftiger Abschluss ergeben hat, wird diese Gleichbehandlung jetzt auch eingefordert; nur die Politik ignoriert dies.

Wer glaubte, diese Fehlentwicklung habe mit dem Regierungswechsel den Höhepunkt erreicht, sah sich durch Maßnahmen, die mit der Haushaltskonsolidierung begründet wurden getäuscht. An Stelle der im Wahlkampf proklamierten Linie, nicht weiter die Beamtinnen und Beamten zu belasten, wurden diese Belastungen weiter deutlich erhöht.
So wurde eine Sonderzahlungen von 0,-€ bis zu höchstens 200,-€ brutto (je nach Eingruppierung) für das Kalenderjahr 2006 vom Landtag beschlossen. Wenn die Kollegen, die überhaupt ein solches Almosen erhalten, es sich leisten könnten, würden sie dieses am liebsten wieder zurück schicken. Als schallende Ohrfeige für alle Beschäftigten ist anzusehen, dass der Landesfinanzminister die „Sonderzahlung“ an Beamtinnen und Beamte auch noch als „angemessen“ bezeichnete. Nicht bewusst scheint ihm zu sein, dass seit 2004 nur Abzüge auf dem Plan standen.

Der nächste Gipfel der Instinktlosigkeit und des Ausdruckes der Wertschätzung der Landesbediensteten durch den Arbeitgeber schien erreicht, als der Bezügemitteilung ob dieser „Sonderzahlung“ ein Flyer über , in allen anderen Gegebenheiten sicher förderlichen, Organspendemöglichkeiten beilag.
Doch weit gefehlt: Guntermann berichtete über die Unterrichtung der Abgeordneten am 27. November durch die Präsidentin des Landtages, Frau van Dinther, darüber, dass eine großzügige Anpassung der Abgeordnetenbezüge aufgrund der vom Landesamt für Datenverarbeitung und Statistik übermittelten Indizes um 1,39 % auf 9.633,- (i.W.: „neuntausendsechshundertdreiunddreißig“Euro) ab 2007 gerechtfertigt sei .
Merke: Diese Indizes (= Steigerung der Lebenshaltungskosten) gelten nur für Landtagsabgeordnete, die, am Hungertuch nagend, die Möglichkeit haben, sich selbst bedienen zu können.
Dies wird bestimmt nicht dazu beitragen, das Vertrauen in die Politik / Politiker zu stärken.
Inzwischen ist der Beschluss auch im Landtag gefasst.

Die Begriffe „Fürsorgepflicht“ und „Motivation" scheinen zu den unbekannten Fremdworten zu gehören.
Während sie im gleichen Atemzug die Kürzungen bei der Besoldung mit dem desolaten Haushalt verteidigen und allen Bürgerinnen und Bürgern unseres Bundeslandes weitere Einschnitte im sozialen Bereich zumuten, erhöhen sich die Abgeordneten in Gutsherrenart die Diäten. Weiterhin sind die Personalräte der Steuerverwaltung zutiefst empört über die Versuche, die Beschäftigtenrechte massiv zu beschneiden. Sie forderten während ihrer Arbeitstagung am 20.11.06 in Bad Godesberg und bei verschiedenen Protestaktionen die Landesregierung auf: Demokratisch erworbene Rechte müssen von Demokraten auch verteidigt werden. Eine Beschneidung der Rechte hat die Folge, dass die enorme Eigenverantwortung der Beschäftigten hinsichtlich ihrer Tätigkeit in der Landesverwaltung verloren geht und ins Gegenteil umschlagen wird.

Haben die Politiker eine Vorstellung davon, wie eine solche lnstinktlosigkeit bei unseren Kolleginnen und Kollegen ankommt? Hier verspielen sie das letzte Fünkchen Vertrauen in diese Landesregierung.

Der Zustimmung der Kolleginnen und Kollegen im voll besetzten Saal war Herr Guntermann sicher.




Ihr DStG-Ortsverbandsvorstand
 

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