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Ein Fall für den Staatsanwalt" |
| SPD-Politiker gingen auf Kreisparteitag mit Landrat Beckehoff hart ins Gericht |
rudi
Schönau. Abgeordnete aus Landtag, Bundestag und Europa-Parlament gaben
sich am Samstagnachmittag beim SPD-Kreisparteitag im Gasthof Scherer in
Schönau die Klinke in die Hand. Entsprechend standen Themen von
überregionalem Belang auf dem Plan. Dennoch waren es zwei regionale
Ereignisse, die mindestens genau so großes Interesse auf sich zogen:
Der Kreisvorstand übte harsche Kritik am Vorgehen der Kreisverwaltung
bei den jüngsten Entwicklungen in Sachen Kreismülldeponie und Biggesee
GmbH.
Die Themen beim SPD-Kreisparteitag gestalteten sich mit Blick auf ihre
allgemeine Relevanz zweifellos interessant. Klar appellierten die
Genossen für Neuerungen im Bildungsbereich, im Bereich von Mindestlohn
und Zeitarbeit sowie die Förderung der Kommunalpolitik. Mit MdL
Reinhard Jung aus Schönau, dem Siegener MdB Willi Brase, MdEP Helmut
Kühne aus Soest sowie Hannelore Kraft, Vorsitzende der SPD-Fraktion im
Landtag sowie SPD-Landesvorsitzende, standen kompetente Redner am Pult,
die nicht zuletzt mit Blick auf das „Hamburger Programm" der
Sozialdemokraten überzeugend zu vermitteln wussten, welche Weichen
gestellt werden müssten, um die anvisierten Ziele zu erreichen.
„
Soziale Gerechtigkeit" war ein Schlagwort, das den Ton klar bestimmte
und die Wegrichtung vorgab. Interessiert und angeregt brachten sich die
rund 50 Delegierte in der Schönauer „Tenne" in die Diskussion ein.
Trotz aller bundes-, landes- und europapolitisch relevanten Themen
waren es dennoch die jüngsten Ereignisse auf regionaler Ebene, die bei
der Versammlung allein aufgrund ihrer Aktualität großes Interesse auf
sich zogen: Die Krisen bei der Kreismülldeponie bzw. der Biggesee GmbH
(die SZ berichtete) riefen seitens der Sozialdemokraten einmal mehr
Kritik am Vorgehen des Landrates bzw. der Kreisverwaltung auf den Plan.
„Mit Verwunderung", betonte SPD-Kreisverbandsvorsitzenden Bernd
Banschkus, habe man zur Kenntnis genommen, wie die Spitze der
Kreisverwaltung die Krisen begründet habe. „Offensichtlich war in
beiden Fällen Petrus Schuld, weil es zu viel geregnet hat", so
Banschkus, „während dies zur bekannten Sickerwasserproblematik in der
Entsorgungsanlage führte, sollen der Biggesee GmbH so viele Gäste
ausgeblieben sein, dass das Unternehmen kurz vor der Pleite stand".
Einen Vorwurf machte Banschkus dabei allen voran Landrat Frank
Beckehoff (CDU): „Unter dem Strich bleibt ein fader Beigeschmack und
die Erkenntnis, dass der Landrat nicht sorgsam genug mit dem von den
Bürgern des Kreises Olpe erwirtschafteten Geld umgeht"
Die Fehler seien nämlich nicht in der Wetterlage, sondern im Management
zu suchen. Immerhin habe die SPD-Fraktion im Kreistag schon Ende August
die Wirtschaftlichkeit der Biggesee GmbH unter die Lupe nehmen wollen.
Neben der Bildung eines Arbeitskreises zur Erarbeitung eines
Gesamtkonzeptes für den Biggesee-Tourismus habe man angeregt, eventuell
die Städte Olpe und Attendorn als Partner ins Boot zu holen bzw. die
Möglichkeit einer (Teil-)Privatisierung in Erwägung zu ziehen. „Nichts
geschah", kritisierte Banschkus. Nunmehr habe der Landrat der Biggesee
GmbH „hastig" einen Kreiszuschuss von 290 000 Euro gewährt, um eine
Insolvenz zu verhindern. „Der Landrat will Management-Fehler ausbügeln
und übergeht dabei die politischen Gremien", bemängelte Banschkus, dass
der Kreistag unbefragt geblieben sei. „Warum hat er nicht vorher im
Rahmen seiner Pflichten als Aufsichtsratsvorsitzender reagiert? Die
Biggesee GmbH leidet eher unter fehlender Liquiditätsplanung als unter
fehlenden Gästen." Längst sei aus der Biggesee GmbH Eigenkapital
geworden, so Banschkus. „Meines Erachtens ist aus der Sache ein Fall
für den Staatsanwalt geworden."
Auch Thomas Förderer, Vorsitzender der SPD-Kreistagsfraktion und selbst
Mitglied des Aufsichtsrates der Biggesee GmbH, bezog Stellung - auch zu
dem Gerücht, Beckehoff habe einen Wirtschaftsprüfer gezielt ausgeladen,
als der Landrat den Aufsichtsrat über die drohende Insolvenz informiert
habe. Förderer äußerte sich „nicht sehr glücklich", dass die
Entwicklungen schon zum jetzigen Zeitpunkt publik geworden seien.
Problematisch gestaltete sich das Thema derzeit nicht zuletzt da noch
kein offizielles Protokoll der Aufsichtsratssitzung vorliege - das
wohlgemerkt schon längst hätte eintreffen sollen. Dennoch betonte er
klar: „Nach meinem Eindruck versucht der Landrat, ein Verfahren zu
legalisieren, das nicht in Ordnung war."
Als „nicht hinnehmbar" bezeichnete Banschkus auch die „amüsierte"
Reaktion von Kreisdirektor Theo Melcher auf die Erhöhungen der
Abfallgebühren um bis zu 18 Prozent (die SZ berichtete). „Die
Bürgerinnen und Bürger reagieren darauf mit Sicherheit nicht amüsiert".
Im Rahmen des Kreisparteitages wurden auch Wahlen zum
Kreisverbandsvorstand durchgeführt: Einstimmig bestimmte man Anna
Schmitz (Heggen) zur Schriftführerin, Hildegund Hennrichs (Wenden) zur
Bildungsbeauftragten. Darüber hinaus bestätigten die Genossen
einstimmig einen vom Attendorner Ortsverein vorgelegten Antrag, im
Bundestag Regelungen einzubringen, denen zufolge künftige Anhebungen
der Bezüge (Diäten) der Bundestagsabgeordneten den Erhöhungen der
Altersrenten der gesetzlichen Rentenversicherung angeglichen werden
(die SZ berichtete). Auch der selbst betroffene Bundestagsabgeordnete
Willi Brase unterstützte den Antrag.

Rund 50 Delegierte nahmen am Samstag am SPD-Kreisparteitag in Schönau teil.
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