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Brauchen moralische Wende |
| WENDEN SPD-Ortsverein übte Kritik an „großer Politik" / Antrag an Bundespartei |
Kommunale wie bundespolitische Themen bestimmten gestern das Jahrespressegespräch der SPD Wenden.
hobö. Seit geraumer Zeit laden die Sozialdemokraten aus dem Wendener
Land am Ende eines Jahres ein, um auf die geleistete Arbeit
zurückzuschauen und auch einen Ausblick auf die kommenden Aufgaben und
Ziele zu werfen. Was die Kommunalpolitik anbetrifft, stellten die
SPD-Mitglieder wichtige Weichenstellungen für die Gemeinde Wenden in
den Vordergrund, die auf Ideen bzw. Anregungen der SPD basierten
(vergl. gesonderten Bericht). Überregional nahm die Parteispitze vor
allem soziale Brennpunkte ins Visier und kündigte eine
Antragsinitiative an, die über die Bundes-SPD auf den Weg gebracht
werden solle.
„In diesem Superwahljahr 2009 ist es für die SPD Wenden wie schon in
der Vergangenheit wichtig, grundsätzliche Themen anzupacken und
innerpolitisch auch auf Bundesebene klar Stellung zu beziehen",
erklärte Vorsitzender Jochen Sauermann. „Sehr wichtig ist für uns die
Rolle der Erziehenden in unserer Gesellschaft. Paare müssen eine
wirkliche Wahlmöglichkeit haben. Wir investieren Millionen in
Kindergärten und Ganztagseinrichtungen und begründen das damit, man
müsse gerade Mütter und Familien unterstützen. Wir müssen uns mal
fragen, warum ein so großer Bedarf an solchen Einrichtungen da ist.“
Der Hintergrund für die Notwendigkeit von Ganztagsbetreuung der Kinder
seien doch wirtschaftliche Zwänge. Ein Verdienst reiche meist nicht
aus, eine Familie zu ernähren, so Sauermann. Die Rolle der
Kindererziehung werde in der Gesellschaft nicht ausreichend
berücksichtigt. Hier sei ein Umdenken erforderlich. Jedes Paar solle
die Möglichkeit haben, seine Kinder großzuziehen. Dies müsse sich
entsprechend in den Rentenansprüchen niederschlagen. Altersarmut dürfe
für Mütter oder Väter, die ihre Kinder großziehen, kein Thema sein.
Jede Frau und jeder Mann sollte selbst bestimmen können, ob der
unbezahlte Dienst für die Gesellschaft bei der Erziehung der Kinder
drei, zehn oder 18 Jahre ausgeübt werde. Der Vorsitzende der SPD
Wenden: „Unsere Gesellschaft ist den Kindern und Erziehenden
verpflichtet. Kinder brauchen nicht nur Plätze, sondern Liebe."
Die von der eigenen Partei oft formulierte Forderung nach einem
Mindeststundenlohn von 7,50 Euro „bringt es auch nicht". Entscheidend
sei, dass man mit einem Einkommen eine Familie ernähre. Von der SPD
Wenden soll nun im Frühjahr ein Antrag über die Bundes-SPD auf den Weg
gebracht werden, die Rolle der Erziehenden auch finanziell spürbar zu
verbessern.
Soziale Gerechtigkeit finde unter anderem beim Einkommen von Arbeitern
und Angestellten statt. Solange Aktiengesellschaften kein
Weihnachtsgeld oder Urlaubsgeld zahlten oder Zeitarbeiter zu
Hungerlöhnen beschäftigten, dürfe es keine Dividendenzahlungen für
Aktionäre oder gar Bonuszahlungen für Manager geben. Sauermann: „Wir
sprechen über Mindestlohn. Diese Diskussion muss im Sinne der sozialen
Gerechtigkeit umgedreht werden. Höchstlohn muss das Thema sein. Und bei
der sozialen Gerechtigkeit darf kein Bereich ausgegliedert werden."
Kritik übte Sauermann auch an Rundfunkgebühren. „Fürstliche Gehälter
für Intendanten, die Leitungen der Sender, Schauspieler, Filme,
Showveranstaltungen, hunderte Millionen für die Übertragungsrechte der
Bundesliga. Ich nenne das eine Zwangsabgabe, damit die
Bun-desligavereine ihre Millionengehälter bezahlen können. Auf der
einen Seite abkassieren und auf der anderen Seite die Kosten für die
Stadien oder die Sicherheitskräfte bei jedem Fußballspiel vom Staat
bezahlen lassen - und als Krönung werden die Anstoßzeiten jetzt so
gelegt, dass unsere heimischen Fußballvereine es schwer haben werden,
noch Zuschauer auf den Sportplatz zu bekommen. Hier stimmt doch was
nicht."
Jochen Sauermann ging in seiner Kritik an der „großen Politik" weiter:
„Führungskräfte in Deutschland, und dazu zähle ich auch Politiker aller
Parteien in Berlin, sind jetzt schnell dabei, Milliarden für Banken und
Konjunkturprogramme auszugeben, von denen in erster Linie nicht der
Mittelstand oder der Arbeiter und Angestellte profitiert. Bei
Rentenerhöhung, Kilometerpauschale, Kindergeld oder Praxisgebühr werden
dieselben Personen zu Pfennigfuchsern. Ich nenne das unmoralisch, wenn
wir jetzt den Worten der Bischöfe nach sozialer Gerechtigkeit keine
Taten folgen lassen." Der Vorsitzende der SPD Wenden abschließend:
„Geld ist genug da - bestimmte Leute müssen nur wieder lernen, zu
teilen, und zwar über eine gerechte Steuerpolitik - wer mehr hat, kann
mehr abgeben. Wir brauchen in Deutschland eine moralische Wende.“
„Darauf sind wir stolz"
SPD-Ortsverein wies auf erfolgreiche politische Arbeit hin
hobö Wenden. Die Anregung für zwei besonders wichtige Weichenstellungen
für die Gemeinde Wenden schreibt sich die SPD Wenden auf die Fahnen.
Das wurde bei dem gestrigen Jahrespressegespräch der Sozialdemokraten
im Gasthof „Da Vinci" in Wenden (vergl. gesonderten Bericht) deutlich.
„Das waren ureigene SPD-Anträge, darauf sind wir sehr stolz", so
SPD-Vorsitzender Jochen Sauermann.
Diesbezüglich verwies Robert Dornseifer, Vorsitzender der SPD-Fraktion
im Wendener Gemeinderat, auf eine eigene Aussage vor drei Jahren.
Seinerzeit habe die Wendener SPD dem ursprünglich von der Gemeinde
Wenden anvisierten interkommunalen Gewerbegebiet mit der Stadt Olpe
eine „Absage erteilt". „Die schwerfällige und langwierige Abwicklung
des Olper Gewerbegebietes, die wir damals erwartet haben, hat sich bis
heute bestätigt."
Umso erfreulicher wertete Dornseifer, dass die Gemeinde Wenden
letztlich nicht mit der Stadt Olpe, sondern mit der Stadt Kreuztal
überein gekommen und das interkommunale Gewerbegebiet „Ostheldener
Höhe" angegangen sei. Das Planverfahren sei nun in Gang gekommen.
Diesbezüglich hob SPD-Landtagsabgeordneter Reiner Jung aus Schönau
hervor, dass auch sein Einsatz geholfen habe, anfängliche Widerstände
in den Düsseldorfer Ministerien auszuräumen. Robert Dornseifer erklärte
diesbezüglich, dass die „Ostheldener Höhe" auch aus Sicht der SPD nur
wünschenswert sei, wenn das Gewerbegebiet mit eigenem Anschluss an die
A4/HTS erschlossen werde. Ferner müsse eine auch aus Sicht des
Hochwasserschutzes für Altenwenden und Schönau gesicherte
Regenentwässerung erfolgen.
Wie berichtet, hat der Wendener Gemeinderat am 12. November in
nichtöffentlicher Sitzung beschlossen, die Prüfung zur Gründung eigener
Gemeindewerke vorzunehmen. Diesbezüglich verwies Robert Dornseifer auf
seine Anregung im Rahmen der Haushaltsdebatte im Frühjahr dieses
Jahres. Seinerzeit hatte er eine solche Prüfung gefordert. Vor dem
Hintergrund, dass 2014 die Konzessionsverträge mit den
Energieversorgern auslaufen, halten es die Wendener Sozialdemokraten
für sehr sinnvoll, die Versorgung über einen kommunalen Eigenbetrieb zu
prüfen. Ein solches Gemeindewerk biete viele Vorteile. Es gehe dabei
nicht nur um die Kontrolle der Strom- und Gastarife. Die Einnahmen
eines eigenen Versorgungsbetriebs seien in Zeiten, in denen die
finanziellen Bedingungen für die Kommunen immer enger würden, sehr
interessant, so Dornseifer. Gewinn, Konzessionsabgaben und
Gewerbesteuern flössen in die eigene Gemeinde. Weiterhin seien der
Aufbau gemeindlichen Vermögens, die Schaffung weiterer Arbeitsplätze,
die Stärkung der gemeindlichen Firmen sowie Synergieeffekte durch die
Zusammenfassung von Strom-, Gas-, Abwasser- und eventuell in Zukunft
der Wasserver- und -entsorgung interessant.
Besonderen Dank richtete Jochen Sauermann an den Vorsitzenden des
kommunalen Sport- und Kulturausschusses, Lutz Schabelon. Es sei auch
sein persönlicher Verdienst, dass in den vergangenen zehn Jahren so
viel für die Kultur und Sport treibenden Vereine in der Gemeinde Wenden
geleistet worden sei. Schabelon verwies unter anderem darauf, dass
sämtliche Sportplätze im Gemeindegebiet von Aschen- zu
Kunstrasenplätzen umgestaltet worden seien, teilweise gar mit
Tartanumlaufbahn. Dies sei enorm wichtig für die Vereine, die sich
derzeit über einen Zuwachs im Kinder und Jugendbereich von rund 30
Prozent freuen könnten.
Die neuen Förderrichtlinien der Gemeinde sorgten überdies für höhere
Zuschüsse an die Kulturvereine. „Wir sind richtig stolz auf die
ehrenamtliche Vereinsarbeit", ergänzte Robert Dornseifer. Deshalb sei
die höhere Förderung richtig. Und Jochen Sauermann kündigte an, dass
die SPD weiterhin dafür kämpfen werde, dass auch die sozialen
Einrichtungen gefördert würden. |

Sind stolz auf die politischen Erfolge der SPD Wenden (v. I): Lutz
Schabelon, Robert Domseifer, Reinhard Jung und Jochen Sauermann Foto:
hobö
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