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Sauermann: Wir brauchen eine moralische Wende |
„Kleine Mann muss die Krise ausbaden" / Rolle der Erziehenden stärker berücksichtigen
Von Roland Vossel
WENDEN.
Jeder, der seiner Arbeit ordnungsgemäß nachgeht, muss seine Familie
ernähren und ihr auch einen gewissen Standard bieten können", betonte
Jochen Sauermann bei der traditionellen Jahrespressekonferenz der
Wendener SPD.
„Solange wie Aktiengesellschaften kein Weihnachtsgeld oder Urlaubsgeld
zahlen oder Zeitarbeiter zu Hungerlöhnen beschäftigen, Zulieferer á la
Chefsanierer Lopez erpressen, darf es keine Dividendenzahlungen für
Aktionäre oder gar Bonuszahlungen für Manager geben", forderte der
SPD-Vorsitzende. Und: „Alle reden von der Krise, aber ausbaden muss sie
der kleine Mann. Die Großmanager leben weiter wie bisher. Wir brauchen
eine moralische Wende." Führungskräfte, auch die Politiker aller
Parteien in Berlin, seien jetzt schnell dabei, Milliarden für Banken
und Konjunkturprogramme auszugeben, von denen in erster Linie nicht der
Mittelstand oder Arbeiter und Angestellte profitieren, so Sauermann
weiter. Bei Rentenerhöhung, Kilometerpauschale, Kindergeld oder
Praxisgebühr würden die gleichen Personen aber zu Pfennigfuchsern: „Ich
nenne das unmoralisch. Wenn wir jetzt den Worten der Bischöfe nach
sozialer Gerechtigkeit keine Taten folgen lassen, tragen wir unseren
Staat zu Grabe."
Die SPD wolle auch einen Antrag stellen, um die Rolle der Erziehenden
stärker zu berücksichtigen, so Sauermann. Nicht aus Lebenserfüllung,
sondern wegen wirtschaftlicher Zwänge würden beide Elternteile
arbeiten. „Wir müssen die Voraussetzu-ngen schaffen, dass jeder zu
Hause seine Kinder erziehen kann ohne finanzielle Nachteile", betonte
Sauermann. Dies müsse sich in den Rentenansprüchen niederschlagen,
zudem sei die Gesellschaft verpflichtet, Frauen wieder ins Berufsleben
einzugliedern, wenn die Kinder aus dem Haus sind. Auch
Landtagsabgeordneter Reinhard Jung unterstrich die Wichtigkeit der
Entwicklung der Kinder: „Bildung muss kostenfrei sein bis zum Studium.
Das ist eine Investition in die Zukunft."
Jung und Fraktionsvorsitzender Robert Dornseifer hoben „das von der
SPD-Fraktion durchgedrückte" interkommunale Gewerbegebiet Ostheldener
Höhe hervor. Nachdem es in Düsseldorf gehakt habe, habe er mit dafür
gesorgt, dass das Gebiet jetzt in vernünftige Bahnen gelenkt wird, so
Landtagsabgeordneter Jung. Wenden und Kreuztal würden nun an einer
vernünftigen Planung arbeiten mit der Einbindung in Natur und
Landschaft.
Vor drei Jahren habe er als Wendens SPD-Fraktionsvorsitzender dem
Gewerbegebiet mit Olpe eine Absage erteilt, betonte Robert Dornseifer,
Heute sei Wenden kein Juniorpartner, sondern verhandele mit Kreuztal
auf gleicher Augenhöhe: „Besonders hervorheben möchte ich, dass das
Gewerbegebiet nur mit Autobahnanschluss wünschenswert ist und dass
Naturschutz sowie eine gesicherte Entsorgung, vor allem
Regenentwässerung, gewährleistet sein muss."
Der richtige Weg
Eigenbetrieb bietet viele Vorteile / Das Warten der Hünsborner
WENDEN, (rovo) „Die Idee stammt aus unserem Bürgerbüro", kommentierte
Jochen Sauermann den Ratsbeschluss vom 12. November zur Gründung
gemeindlicher Versorgungsbetriebe. Die Vewaltung wurde mit der Prüfung
beauftragt. „Warum sollen wir das Geld weiterhin in Richtung Essen
schicken?", fragte Robert Dornseifer. Jochen Sauermann blies ins
gleiche Horn: „Es trifft die Großkonzerne zurecht. Hätten sie nicht die
Abzockerpolitik der letzten Jahre gemacht, wäre niemand auf die Idee
gekommen."
Ein Eigenbetrieb biete viele Vorteile, so Dornseifer. Dabei gehe es
nicht allein um die Kontrolle der Strom- und Gastarife, sondern auch um
Einnahmen, in Zeiten, wo die finanziellen Bedingungen für die Kommunen
immer enger werden: „Gewinn, Konzessionsabgaben und Gewerbesteuer
fließen dann in die eigene Gemeinde. Weiterhin ist der Aufbau
gemeindlichen Vermögens, Schaffung weiterer Arbeitsplätze, Stärkung der
gemeindlichen Firmen, Synergieeffekt durch die Zusammenfassung von
Strom-, Gas-, Abwasser und eventuell in Zukunft die Wasser- bzw.
Entsorgung interessant." Hier werde im Interesse der Bürger der
richtige Weg beschritten.
Als „große Sauerei" bezeichnete es Lutz Schabelon, dass nach der
Aldi-Schließung schon seit sechs Monaten keine Grundversorgung für über
3 400 Bürger in Hünsborn angeboten werde: „Aus der Verwaltung kommt die
Information, dass es eine andere Ladenkette gibt, die nächstes Jahr
umbauen und nach Hünsborn kommen will. Warten wir ab, ob das wahr wird,
oder müssen wir uns als Hünsborner selbst helfen?"
Wendener SPD fordert soziale Gerechtigkeit
Sauermann: Ruf der Bischöfe darf nach Weihnachten nicht wieder in Schublade verschwinden
WENDEN, (rovo) Kämpferisch gab sich die Führungscrew der Wendener SPD
gestern bei der Pressekonferenz vor dem „Superwahljahr 2009". „Der Ruf
der Bischöfe nach sozialer Gerechtigkeit darf nach Weihnachten nicht
wieder unter der Rubrik Weihnachten 2008 in der Schublade
verschwinden", sagte der 1. Vorsitzende, Jochen Sauermann: „Das
Heraufsetzen der Gewinnerwartungen von 25 Prozent, wie der Chef der
Deutschen Bank, Josef Ackermann, formuliert hat, ist mit verantworlich
für die jetzige Finanzkrise." Sauermann forderte „Gesetze, die dafür
sorgen, dass für Geld, was Deutsche verdienen und egal auf welcher Bank
sie es deponieren, volle Steuern abgeführt werden, ohne Möglichkeiten
der Abschreibung. Das werden wir innerhalb der Bundes-SPD auf den Weg
bringen."
KOMMENTAR LOKALSEITE 2
KOMMENTAR
Engagierte Arbeit
Genossen gegen Politikverdrossenheit
Von Roland Vossel
Man kann von der Wendener SPD sagen, was man will: Die Genossen haben
ihr Ohr an der Basis. Bei der Jahrespressekonferenz legten Jochen
Sauermann und seine Mitstreiter den Finger in die Wunde: Es geht um die
Führungskräfte und Manager, die sich in der Krise ihre Taschen noch
voller machen, und den kleinen Mann, der für das Missmanagement
erbarmungslos bluten muss.
Wohltuend ist dabei, dass Sauermann und seine Genossen kein
parteipolitisches Süppchen kochen, sondern Missstände bei
Bundespolitikern jeglicher Couleur (die SPD eingeschlossen) anprangern.
Viele Parlamentarier in der Bundeshauptstadt scheinen weit entrückt,
wie auf einem anderen Stern und wissen gar nicht mehr, mit welchen
Problemen Otto Normalverbraucher Tag für Tag zu kämpfen hat.
In dieser Hinsicht heben sich die Wendener Kommunalpolitiker von ihren
Kollegen in Berlin wohltuend ab. Sauermann und Co. kümmern sich konkret
um die Sorgen der Menschen vor Ort. Mit ihrem Bürgerbüro fahren sie
seit Jahren ein Erfolgsmodell. Für die ständig steigenden
Mitgliederzahlen wurde die Wendener SPD sogar auf dem Bundesparteitag
ausgezeichnet. Keine Frage: Die Wendener Genossen leisten mit ihrer
engagierten Arbeit vor Ort einen Beitrag gegen die allgemeine
Politikverdrossenheit.

Zeigten sich auf der traditionellen Pressekonferenz Der SPD Wenden
kämpferisch: (von links) Lutz Schabelon, Robert Dornseifer, Reinhard
Jung und Jochen Sauermann. Foto: Roland Vossel
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