Minijobs und Zeitarbeit

Die Friedrich-Ebert-Stiftung hatte zu einer Diskussion über Minijobs und Leiharbeit nach Schönau eingeladen. Neben fast 50 Zuhörern konnte Robert Kirchner-Quel von der Friedrich-Ebert-Stiftung die Referenten Jürgen Weiskirch (Verdi), Hans Sowa (IG Metall) und den Diskussionsleiter Stefan Niederschlag sowie den Vorsitzenden der SPD-Wenden Jochen Sauermann begrüßen.

Zu Beginn berichtete Jochen Sauermann aus Gesprächen mit Betroffenen, die im SPD-Bürgerbüro in Wenden geführt wurden. „Das Hauptproblem in Wenden sind nach meiner Ansicht nicht die Zeitarbeiter sondern der Missbrauch der 400-Euro-Jobs.Teilweise werden im Rahmen der 400-Euro-Jobs auch in der Gemeinde Wenden erbärmliche Stundenlöhne von 3,30 – 4,00 Euro bezahlt. Die Leute kommen sich ausgebeutet vor, haben jedoch Angst sich zu wehren. In der Vergangenheit hat die SPD zusammen mit den Gewerkschaften manchen Kampf vor Ort geführt. Jeder der Hilfe braucht sollte sich bei uns melden“, sagte Jochen Sauermann. Für den Wendener Fraktionsvorsitzenden Stephan Niederschlag ist es wichtig, dass es zu keiner Ausweitung der Leiharbeit kommt.

Jürgen Weiskirch, Bezirksgeschäftsführer des Verdi-Bezirks Siegen-Olpe erklärte erst einmal was hinter den Begriffen Minijob und Leiharbeit steckt. Er machte allerdings auch deutlich dass er kein Freund der Minijobs und Leiharbeit ist. Denn vor allem die Regierung Schröder hat mit ihrer Streichung der 15-Stunden-Grenze dem Stundenlohn-Missbrauch der 400-Euro-Jobs alle Türen geöffnet. „Mittlerweile gibt es mehr als 7 Mill. Minijobs, den größten Anteil daran hält der Einzelhandel, dort ist jeder dritte Beschäftigte ein Minijobber. Wichtig ist es für die Teilzeitbeschäftigten zu wissen, dass auch sie Rechte haben. Ihnen stehen ein Anspruch auf Urlaub und Urlaubsgeld zu, sowie eine Lohnfortzahlung im Krankheitsfall und es besteht ein Recht auf Kündigungsschutz“, erklärte Jürgen Weiskirch. Er kritisierte, dass die Minijobs sozialversicherungspflichtige Jobs verdrängen würden. Ein Problem ist es auch seiner Meinung nach das viele Minijobber zusätzlich noch Leistungen der ARGE beziehen und somit die Lohnkosten der Arbeitgeber umverteilt würden zu Lasten der Steuerzahler. Weiskirch: „ Wir sind der Meinung, dass auch alle Minijobs sozialversicherungspflichtig werden – wie auch alle Selbstständigen. Entweder wir sind eine soziale Gesellschaft – oder nicht.“

Danach sprach Heinz Sowa. Er ist Mitglied der IG Metall Duisburg und war 25 Jahre lang Betriebsrat bei Thyssen-Krupp-Stahl. Er erklärte den Zuhörern die verschiedenen Vertragsarten der Leiharbeit. Besonders beliebt sind die Arbeitnehmer-Überlassungs-Verträge. Die Zahl der Beschäftigten bei der Zeitarbeit ist seit dem Jahr 2005 mit 480000 auf 914000 in diesem Jahr angestiegen. Diese Vermietung von Personen, so Heinz Sowa, sei die „moderne Sklaverei. Die Menschen werden behandelt wie in einer Zuhälterei. Diese Branche wächst unmenschlich.“ Auch Arbeitnehmer mit Zeitarbeitsverträgen erhalten ergänzende Leistungen der Agentur für Arbeit. Auch sei es ein Irrglaube das diese Beschäftigten nach Ablauf des Leiharbeitsvertrages ein festes Arbeitsverhältnis eingehen würden. Nur etwa 7 bis 9 Prozent werden übernommen. Somit verdrängen Leiharbeiter die Stammbelegschaft. „Denn dank Wolfgang Clement dürfen Leiharbeiter für einen unbestimmten Zeitraum eingestellt werden, dies muss wieder geändert werden. Die Überlassungsdauer muss wieder zeitlich begrenzt werden. Außerdem soll es für gleiche Arbeit auch gleichen Lohn geben“, bekräftigte Heinz Sowa. „Ich bin Stolz auf die IG Metall in der Stahlbranche. Sie hat dort einen Tarifvertrag für die Leiharbeiter durchgesetzt. Dies ist nur gelungen da dort 90 Prozent der Beschäftigten gewerkschaftlich organisiert sind. In andern Branchen wird dies schwierig werden so ein Ziel zu erreichen.“

Im Verlauf der weiteren Diskussion erklärte Heinz Sowa, dass 400-Euro-Jobs bei Zeitarbeitsfirmen sowieso nicht rechtmäßig sind. Ihm sei bekannt, dass hier viele Zeitarbeitsfirmen einen Missbrauch betreiben, gegen den rechtlich vorgegangen werden muss. Im Zusammenhang mit der Wirtschaftskrise stellte Jürgen Weiskirch klar, dass auch in Krisenzeiten zwischen guten und schlechten Firmen unterschieden werden müsse. Zeit- und Leiharbeitsfirmen die mit sogenannten christlichen Gewerkschaften zusammen arbeiten, verhalten sich unsozial. Als Arbeitnehmer sollte man darauf achten, dass man bei einem Unternehmen zu arbeiten beginnt, welches einen Tarifvertrag mit dem DGB oder seinen Gewerkschaften hat. „Diese Firmen stehen auch in Krisenzeiten zu ihren Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern. Von den 90 hier in Olpe tätigen Leiharbeitsfirmen haben nur 2 Unternehmen von der Kurzarbeiterregelung gebrauch gemacht. Eine davon war die aus Wenden stammende Firma Schönauer Personalservice. Wir müssen die Guten herausstellen um die Schlechten zu Brandmarken“, sagte Jürgen Weiskirch.

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Zu Schluss ergänzte Jochen Sauermann das man auch auf der Homepage der SPD-Wenden www.spd-wenden.de Informationen für Arbeitgeber, Arbeitnehmer und Haushaltshilfen bekommen kann.

 

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