Opfer mahnen: Nie wieder!

Sauerland Kurier vom 1. September 2010

■ Von Natalie Kittler Wenden.

Weimar und das ehemalige Konzentrationslager Bu­chenwald waren das Ziel ei­ner dreitägigen Fahrt von Bürgern aus Wenden.

Die „Reise in die Vergan­genheit" wird jedes Jahr von Jochen Sauermann, Vorsit­zender des Wendener SPD-Ortsvereins, angeboten. „Dies ist unsere 12. Fahrt nach Wei­mar und Buchenwald und es ist immer wieder schön zu se­hen, dass die deutsche Ge­schichte immer noch auf solch reges Interesse stößt." Sauermann betonte, dass er Wert darauf lege, keine Alters­grenze festzusetzen und die­se Fahrt nicht nur einer spe­ziellen Altersgruppe anbiete. Somit umfasste die Gruppe ei­ne Altersspanne von 16 bis 58 Jahren.

Finsteres aus der Geschichte

„Durch die unterschiedli­chen Altersklassen ergeben sich generationenübergrei­fende Gespräche, aus denen man die verschiedensten Sichtweisen kennenlernt." In einem dieser zahlreichen Ge­spräche ging es um die Erfah­rungen des gebürtigen Thü­ringers Edgar Schwartze, der heute neben Milda in Thürin­gen auch in Rothemühle wohnt. Dieser erlebte einen anderen Teil deutscher Ge­schichte: die Deutsche Demo­kratische Republik (DDR). Schwartze wurde von der Sta­si (Staatssicherheit) bespitzelt und sollte aufgrund des Volks­aufstandes vom 17. Juni 1953, an dem er mitgewirkt hatte, festgenommen werden. Man fand ihn nicht und er konnte flüchten. Edgar Schwartze ist heute einer der wenigen, der von dieser Zeit erzählen will und noch erzählen kann.

Erinnerungen an den 17.Juni 1953

Nach Gesprächen über die Zeit des Nationalsozialismus und das geteilte Deutschland ging es für die Gruppe am Samstag   zum   eigentlichen Ziel der Fahrt, nach Buchen­wald. Um zu dem ehemaligen Konzentrationslager zu gelan­gen, muss die  „Blutstraße" entlang gefahren werden. Auf dieser wurden vor rund 70 Jahren  die  Häftlinge   vom Bahnhof Weimars in das acht Kilometer entfernte KZ getrieben. Um vorab zu sehen, wie sich das Leben der Tausenden Häftlinge in dem Arbeitslager gestaltete, wurde der Gruppe aus dem Sauerland ein unter­mauernder Film gezeigt.

Mit  gemischten Gefühlen betrat die Gruppe in Beglei­tung einer Mitarbeiterin der Gedenkstätte das ehemalige Arbeitslager. Der erste Ein­druck   wurde   der   Gruppe durch ein massives Eisentor vermittelt, in dem der Satz „Jedem das Seine" eingelas­sen ist. Die Menschen in Bu­chenwald starben an Unterer­nährung, hygienischen Män­geln oder auch medizinischen Experimenten, die an ihnen auf der „Krankenstation" voll­zogen wurden - und dies alles mit Blick auf diesen hinterhäl­tigen Satz, der sie tagtäglich daran erinnern sollte, nichts wert zu sein.

Bei der abschließenden Er­kundung der Museen, in de­nen unter anderem Schrift­stücke erhalten sind, in denen sich studierte Menschen da­rüber austauschten, dass ein Häftling des KZ Buchenwald ca. 1 Reichsmark und ein Blut­hund knapp 3 Reichsmark wert ist, verlor sich jeder in seinen eigenen Gedanken.

„Auch wenn ich das KZ Bu­chenwald nun schon mehr­mals besucht habe, kann ich doch jedes Mal wieder etwas Neues entdecken. Ich kann nur jedem empfehlen, sich mit der Geschichte zu befassen und dazu beizutragen, dass so etwas nie wieder pas­siert", betonte der Wendener Pfarrer Martin Eckey.

Zum Gedenken an die Opfer legte Jochen Sauermann im Namen der Gruppe und nach jüdischer Tradition einen Stein nieder.

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Die Gedenktafel des K.L.B. (alte Bezeichnung für das Konzentrationslager Buchenwald), die konstant die Temperatur von 37 Grad hat, und an der die Wendener einen Stein zum Gedenken an die Opfer niederlegten. (Foto: Natalie Kittler)

Die Zeit des Nationalsozia­lismus gehört unbestritten zu den dunklen Tagen der Stadt Weimar, doch die Stadt erleb­te auch eine blühende Zeit. Wieland, Goethe und Schiller machten Weimar zur kulturel­len Hauptstadt und heute ist Weimar Universitätsstadt und gehört zum UNESCO Weltkul­turerbe. Auch nächstes Jahr wird wieder eine Fahrt nach Weimar und Buchenwald stattfinden.        

Sauermann: „Auch dann würde ich mich wieder über aufgeschlossene Bürgerinnen und Bürger freu­en, die sich für die deutsche Vergangenheit interessieren."

 

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