St.-Josefsheim wird zum Bowlingcenter - aber virtuell

Westfalenpost; Westfälische Rundschau 18.02.2012


St.-Josefsheim wird zum Bowlingcenter - aber virtuell Senioren greifen zur Fernbedienung / Projekt passt „hervorragend ins Betreuungskonzept"

Wenden. „Strike!“ Johannes Schneider zeigt sich wieder treffsicher und hat „alle Zehne“ abge­räumt. Auch Ulrike Hüpper platziert die Kugel gut, gleichwohl ein Pin hartnä­ckig stehen bleibt. Wer jetzt denkt, diese Be­schreibung stamme aus einem Bowling-Center, der irrt: Denn solche Momente sind in der jüngeren Vergangenheit im­mer häufiger im Wendener „Caritas-Zentrum“ zu erleben. Nicht etwa, dass es dort eine neu installierte Bowling-Bahn gäbe: vielmehr wird virtuell - mit Hilfe einer Spielkonsole gebowlt. Die moderne Technik, die sich bei Jugendlichen immer größerer Beliebtheit erfreut, trifft auch bei den Senioren im St.-Josefsheim den Nerv der Zeit.

„Die Spielkonsole hat für unsere Bewohner vielfältige positive Effekte“, weiß Diplom-Sozialarbeiterin Anne Böhler, Leiterin des Sozialen Dienstes. Wesentliches Ele­ment sei das Training von kog­nitiven Fähigkeiten. Konzent­rations- und Bewegungsfähig­keit würden stabilisiert und ge­fördert. Förderlich ist die Ak­tion auch für die Fitness der Bewohner und den Spaß in der Gemeinschaft. Im November wurde das vir­tuelle Bowlen zum ersten Mal ausprobiert, und nach anfäng­licher Skepsis sorgt es durch­weg für Begeisterung. An einem Wochenende im Monat wird regelmäßig an der Spiel­konsole gebowlt

Durch­schnittlich nehmen zehn bis 15 Bewohner teil. Dabei halten die Senioren eine Art Fernbedienung, also die virtuelle Bowlingkugel, in der Hand. Die Bewegung wird von einem Infrarot-Empfänger eingefangen und auf den Bildschirm übertragen. Der Vorteil des virtuellen Spielens besteht darin, dass viele Bewohner, die eine schwere Bowling-Kugel nicht mehr tragen können, mit der 200 Gramm leichten Fernbe­dienung keine Probleme ha­ben. Überdies seien viele Bewoh­ner mehrfachgehandicapt oder säßen im Rollstuhl, er­klärte Anne Böhler. Auch das ist mit kein Hindernis, da auch im Sitzen gespielt werden kann.

Auch die Bewohner, die früher in einem Kegelclub wa­ren, können ihre alten Interes­sen wieder aufleben lassen. „Das Projekt passt hervorra­gend in unser Betreuungskon­zept“, so Zentrumsleiter Vin­zenz Hohleweg, der die Pro­jekt-Idee hatte. Unterstützt wird das Projekt von Annemarie Sauermann, Vorsitzende des AWO-Jugend- werks, und Simone Sauer­mann, Vorsitzende der Jungen Sozialen. Sie bedienen die Technik und leiten die Bewoh­ner an. „Wir haben im Kreis mit die­ser Aktion eine Vorreiterstellung“, betont Anne Böhler stolz. Aufgrund des Erfolgs soll das Projekt ausgebaut und mehrfach im Monat angeboten werden. Interessenten, die die Senio­ren anleiten möchten, können sich bei Anne Böhler @ 02762/404-276 melden.

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Mit der Bowlingkugel wäre es schwierig, aber mit der Fernbedienung werden die Senioren im Wendener St. Josefsheim zu echten Freizeit­sportlern. Foto: Michael Scheppe

 

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